Hilfreiche Arbeitsmodelle
Die hier vorgestellten Modelle dienen als Orientierungshilfen in komplexen Arbeitskontexten in meinen Begleitungen.
Sie unterstützen dabei, Dynamiken zu erkennen, Wahrnehmung zu schärfen und Gespräche zu strukturieren - ohne Menschen oder Situationen zu vereinfachen.
Ich nutze diese Modelle nicht als Erklärungsschablonen, sondern als Einladung zur Reflexion. Sie helfen, Abstand zu gewinnen, Zusammenhänge zu verstehen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Person – Funktion – Rolle als Arbeitsmodell
Ein zentrales Modell meiner Coaching-Arbeit ist die bewusste Unterscheidung von Person, Funktion und Rolle.
- Person: individuelle Werte, Erfahrungen, Grenzen und persönliche Haltung.
- Funktion: formale Aufgaben, Zuständigkeiten und organisationaler Auftrag.
- Rolle: die konkrete Ausgestaltung der Funktion im jeweiligen Kontext und im Kontakt mit anderen.
Viele berufliche Spannungen entstehen dort, wo diese Ebenen vermischt werden. Coaching unterstützt dabei, sie zu unterscheiden, zu klären und bewusst miteinander zu verbinden. Das schafft Entlastung, Klarheit und neue Handlungsmöglichkeiten.
Das Wertequadrat
Das Wertequadrat (nach Schulz von Thun) macht sichtbar, dass jede Stärke eine zweite Seite braucht, um wirksam zu bleiben.
Jeder Wert entfaltet seine Qualität erst im Zusammenspiel mit einem ergänzenden Gegenwert.
Wird ein Wert überbetont und der Ausgleich vernachlässigt, kippt er in eine Übertreibung.
Beispiele:
- Klarheit braucht Einfühlungsvermögen
- Verantwortung braucht Abgrenzung
- Engagement braucht Gelassenheit
Im Arbeitskontext hilft das Wertequadrat,
- Spannungen wertschätzend zu verstehen,
- scheinbare Gegensätze neu einzuordnen,
- und eine Balance zwischen unterschiedlichen Anforderungen zu finden.
Es unterstützt Teams und Führungskräfte dabei, nicht im „Entweder-oder“, sondern im „Sowohl-als-auch“ handlungsfähig zu bleiben.
Das Drama-Dreieck
Das Drama-Dreieck beschreibt wiederkehrende Beziehungsmuster, die in belastenden oder konflikthaften Situationen entstehen können.
Typische Rollen sind:
- Opfer
- Retter*in
- Täter*in
Diese Rollen wechseln oft unbewusst und halten Dynamiken aufrecht, die wenig lösungsorientiert sind. Im Arbeitsalltag zeigen sie sich zum Beispiel in Überverantwortung, Schuldzuweisungen oder Rückzug.
Die Arbeit mit dem Drama-Dreieck hilft,
- solche Muster frühzeitig zu erkennen,
- eigene Anteile zu reflektieren,
- und wieder in eine erwachsene, verantwortliche Haltung zu kommen.
Ziel ist es, aus dem Drama auszusteigen und Beziehungen sowie Zusammenarbeit bewusster und konstruktiver zu gestalten.
Systemische Schleifen und Muster
Systemische Schleifen beschreiben wiederkehrende Verhaltens- und Kommunikationsmuster in Teams und Organisationen. Handlungen beeinflussen sich gegenseitig und verstärken sich – oft unbewusst.
Typisch sind zum Beispiel:
- wiederkehrende Konflikte ohne sichtbare Lösung
- ähnliche Probleme trotz wechselnder Beteiligter
- das Gefühl, „immer wieder am gleichen Punkt zu stehen“
In der systemischen Arbeit geht es nicht um Schuld oder Ursache, sondern um das Verstehen dieser Wechselwirkungen. Durch das Sichtbarmachen von Schleifen entsteht Abstand zum Geschehen.
Das ermöglicht,
- festgefahrene Dynamiken zu erkennen,
- neue Perspektiven einzunehmen,
- und gezielt an kleinen Stellen Veränderung anzustoßen.
Schon kleine Verschiebungen im System können große Wirkung entfalten.
Das Eisbergmodell
Das Eisbergmodell unterscheidet zwischen der sichtbaren Sachebene und den darunterliegenden, oft unsichtbaren Ebenen von Beziehung, Emotion und Bedeutung.
Über der Wasseroberfläche liegen:
- Fakten
- Aufgaben
- Entscheidungen
- beobachtbares Verhalten
Unter der Oberfläche wirken:
- Gefühle
- Erwartungen
- Werte
- Erfahrungen und unausgesprochene Annahmen
Im Arbeitsalltag wird häufig auf der Sachebene kommuniziert, während Konflikte und Irritationen ihre Ursachen unter der Oberfläche haben.
Das Eisbergmodell hilft,
- Missverständnisse besser einzuordnen,
- emotionale Dynamiken ernst zu nehmen,
- und Gespräche differenzierter zu führen.
So wird Zusammenarbeit nicht nur sachlich geklärt, sondern auch relational stabiler.

